Ein Leben ohne Handy, Computer, Social Media und Autos… Kann man sich sowas heutzutage überhaupt noch richtig vorstellen? Die Insel Öja bietet genau das..!

Öja ist eine kleine Insel im Stockholmer Schärengarten, welche seit 1985 sogar ein Naturschutzgebiet ist. In der Mitte verläuft ein kleiner Waldstreifen, während die Insel links und rechts von Klippen und Felsen begrenzt wird.

Manche Leute (vielleicht ja auch ihr) haben schon einmal das Experiment gemacht, eine Woche lang ihr Smartphone oder ihren PC nicht zu verwenden. Einige haben es geschafft, die meisten sind jedoch gescheitert. Also, falls ihr das mal machen wollt, kann ich euch dafür Öja nur empfehlen!

Als wir mit der Fähre den Hafen dieser idyllischen Insel ansteuerten, wusste ich gleich, hier wäre es mit Sicherheit nicht so, wie am Festland. Die rot gestrichenen Holzhäuser und die viele Natur wiesen auf eine ruhige Atmosphäre hin, anders, als in der Stadt.

Wir luden unser Gepäck nicht wie üblich in den Kofferraum eines Autos (es gibt auf der Insel nämlich keine), nein, auf uns wartete ein alter, leicht rostiger Anhänger, mit dem wir unser Gepäck bis zu unserem netten Holzhäuschen schieben mussten. Schon bald leuchtete es uns knallrot entgegen. Sowohl von Außen als auch von Innen hatte es einen typischen Schwedisch-Look mit vielen einladenden Details.

Unser Gästehaus hatte auch einen richtig idyllischen Vorgarten mit bunten Blumen und netten Ecken. An schönen Tagen konnte man hier gemütlich chillen. Dank des Wetters, das sich in unserer Woche von seiner besten Seite zeigte, nutzte ich die alte Holzbank dafür. Las in einem Buch, trank eine Tasse Tee oder beobachtete einfach nur die Umgebung…

Nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit meinem Zimmer hatte ich Glück (wenn man davon absieht, dass es großteils rosa war :/ 😉 ). Aus  dem Fenster hatte ich einen wunderschönen Blick auf den Hafen

Wie bereits erwähnt, gab es hier keine Autos. Wozu auch..? Die Insel ist nicht besonders groß, zählt außerdem gerade mal 17 Einwohner! Alles konnte bequem zu Fuß erreicht werden. Die einzig längere Strecke führte vom Ort zu einem alten Hafen, quer durch das Inselinnere. Für diese Strecke gab es Fahrräder!

So kam es , dass auch wir uns welche besorgten. Täglich fuhren wir  morgens und nachmittags auf einem geschotterten Weg durch den schönen Waldstreifen, bis wir schließlich nach 4 Kilometern am anderen Ende Öjas ankamen. Dann ging es wieder zurück. Die Fahrräder, die wir dazu verwendeten, würden bei uns vermutlich auf dem Schrottplatz landen. Nicht auf Öja!  Alles, was irgendwie noch funktionierte, konnte hier verwendet werden!

Hier ein Bild von meinem Fahrrad, das bei meinem Glück übrigens wieder rosa war. Leider gab es kein anderes… :/

Schon aus großer Entfernung konnte man den rot-weißen Leuchtturm erkennen, der abends sein Licht auf das Meer hinausschickt! Landsorts fyr ist der älteste Leuchtturm Schwedens und wird immer noch benutzt! 1659 wurde er von einem holländischen Kaufmann namens Johan van der Hagen erbaut

Wir haben dieses Wahrzeichen immer wieder unter die Lupe genommen, als wir dort waren. Ja, sowohl tagsüber, als auch nachts, aber dazu komme ich gleich noch, also dranbleiben 😉

Neben ihm thronen noch heute zahlreiche Geschütze und Kanonen auf den Klippen. Das kommt daher, weil Landsorts fyr bis Ende der 90er ein militärisches Sperrgebiet war! Am Fuße des Leuchtturms sieht man, wo man dort geschlafen hatte. Nämlich in kleinen rotbraunen Holzhäusern mit den Namen „Oberst“, „Soldat“ oder „Kapitän“. Kleiner Geheimtipp hier: Diese kleinen Hütten werden heute an Besucher vermietet!

Wie bereits oben angekündigt, waren wir auch nachts dort. Als wir nämlich eine Taschenlampentour machten! 

00:00. MitternachtGeisterstunde. Wir schnappten uns unsere Taschenlampen, zogen uns warm an und öffneten die Holztür, die gruselig knarrte. Dann gingen wir nach draußen. Es war ein kalter Abend, und der Wind pfiff uns um die Ohren. Vereinzelt brannten noch Lichter in ein paar Häusern, ansonsten herrschte Dunkelheit über Öja. Der Mond warf ein schwaches Licht auf die Wellen, die gewaltvoll gegen die Felsen prallten. Wir waren ganz alleine unterwegs…

Im Schein der Taschenlampen ging es aufwärts und abwärts. Eins muss man schon sagen: Wenn man das Ganze bei Tag sieht, ist es auf jeden Fall weniger angsteinflößend! Die Bäume warfen schaurige Schatten auf die Erde, der Wind heulte, und immer wieder war irgendwo ein leises Knacken zu vernehmen. Jetzt nur keinen Rückzieher machen, die Hälfte vom Weg war ja schon geschafft! Nicht mehr weit von uns entfernt, entdeckte ich nach einer Weile auch schon Landsorts fyr, der nachts nicht mehr rot-weiß war, sondern grau-schwarz und traurig (sofern Leuchttürme traurig sein können) seine Lichtstrahlen aufs Meer hinaus schickte. 

Jetzt hatten wir nur noch ein kleines Stück vor uns, welches vermutlich aber auch das Schwerste war: Jetzt musste man sich nämlich zwischen morschen, alten Stufen oder glitschigen Felsen entscheiden. Wir wählten die zweite Variante, wir kletterten über die Felsen. Die Stufen hatten noch nie mein Vertrauen geweckt, weder bei Tag noch bei Nacht. Die Felsen waren an diesem Abend extrem rutschig. Man musste sehr vorsichtig sein, da es zuvor geregnet hatte. 

Endlich oben und damit am Ziel angekommen, setzten wir uns auf die hölzerne Stiege der Eingangstür, machten die Lampen aus und lauschten: dem Rauschen des Meeres und seiner Brandung. Wir zählten die Sterne, die heller leuchteten als sonst und vernahmen aus der Ferne den Ruf einer Eule. Ansonsten absolute Stille; Öja  lag in friedlicher Dunkelheit vor uns…

Später – wieder zurück, fiel ich nach dieser erlebnisreichen Tour todmüde ins Bett…

Wie ihr vermutlich mittlerweile schon mitbekommen habt, gibt es auf Öja einerseits sehr wenig und andererseits wieder sehr viel. Je nachdem, wie man es sieht. Aber was ist eigentlich mit der Versorgung..?

Direkt am Hafen bietet ein kleiner Laden alles, was man braucht. Die wichtigsten Lebensmitteln, Getränke und zugleich eine gemütliche Veranda mit wunderschöner Aussicht auf die Felsen und das Meer. Das Angebot ist natürlich mit keinem großen Supermarkt  vergleichbar, aber verhungern muss auch niemand. Zusätzlich serviert man hier auch kleine Snacks, Kaffee und Limonade, was ich auch richtig cool finde! (Trotzdem gefallen mir die netten Ecken im Vorgarten unseres Hauses besser :P) 

Als wir nach etwa 10 Tagen wieder die Fähre bestiegen, hieß es Abschied zu nehmen. Sowohl bei den netten Bewohnern, mit denen wir uns mittlerweile angefreundet hatten (Obwohl… so viele waren’s ja nicht 😉 ), als auch mit den vielen anderen Dingen, die den Reiz von Öja  ausmachen.

Ein bisschen Wehmut kommt dabei schon auf. Man tröstet sich, indem man bereits an das nächste Mal denkt. Vielleicht mal im Winter..?  Auf Öja soll der Schnee immer besonders weiß sein, hat man uns gesagt …!

Und ihr? Habt ihr schon mal ein Experiment gestartet, was ohne Handy, Internet etc. wäre? Andernfalls, wollt ihr es vielleicht einmal machen? Oder seid ihr vielleicht selbst schon mal auf Öja gewesen (was ja dann wirklich ein sehr großer Zufall wäre) und habt diese Erfahrung gemacht? Schreibt es mir gerne in die Kommentare! 😀

-JasminOnTour

Kategorien: Länder

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