Man kennt sie aus dem Fernsehen und aus Filmen: Die furchtlosen Cowboys auf ihren majestätischen Pferden. Das Rinder – Treiben oder auch die sogenannten Rodeos gehören dabei zum Alltag dieser harten Gesellen. Aber habt ihr euch jemals gefragt, wie das Leben auf so einer Cowboy – Ranch wirklich abläuft? Wie die Dinge dort so laufen? Ist es wirklich so, wie es in den Westernfilmen dargestellt wird? Wenn ja, kann ich euch nur den guten Tipp geben, jetzt weiterzulesen… 😉

Im Herzen Montanas, eingebettet in die spektakuläre Kulisse der Beartooth Mountains liegt idyllisch die Lazy E L Ranch. Es ist eine echte „Working Ranch“, die im Sommer auch gerne ein paar Besucher und Gäste empfängt. Aber nur solche, die eben auch wirklich etwas leisten können und mit anpacken. Leute, die gerne ausschlafen und den Tag ruhig und gelassen beginnen, sind hier völlig fehl am Platz. Dies erklärte uns Jael, die Ranchbesitzerin. Schon seit 1907 ist die Farm im Familienbesitz. Heute leitet sie, gemeinsam mit ihrem Mann Gerald (einem Lakota Indianer), das Anwesen.

Der Tag begann bereits zeitlich um 5.30 Uhr morgens. Über dem gesamten Anwesen lag noch gespenstische Stille, nur in der alten Scheune, wo die Pferde untergebracht waren, brannte bereits Licht. Der knorrige Holzboden hallte dumpf unter den Schritten, als Trevor und Melanie, 2 Angestellte hier auf der Ranch, durch den Stall schritten. Ihr Outfit erinnerte an einen Kinofilm. Im Inneren des muffigen Gebäudes roch es nach Heu, Pferdeäpfel und Leder. Sie sattelten ihre treuen Vierbeiner für den bevorstehenden Ausritt… 

Wenig später jagten sie ihre beiden Mustangs noch bei Dämmerung in die Berge, um die verstreut grasenden Pferde einzusammeln und sie in den Corral  zu treiben. Jael wählte nun gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die Pferde sorgfältig für uns „Gastarbeiter“ aus.

Eine Stunde später, um 6.30 Uhr, trafen wir, wie vereinbart, in der Koppel ein. Unser Tag sollte mit Bürsten und Satteln der ausgesuchten Pferde beginnen. Dann ging es zum gemeinsamen Frühstück ins sogenannte „Cookhouse“, wo uns bereits leckere Eier, Speck, Hashbrowns und Würstchen erwarteten. Nach der Mahlzeit wurde es ernst: Jael erklärte dem Personal und uns anhand einer Skizze den Tagesplan. Ausgestattet mit einem Paar gut eingelaufenen „Cowboyboots“  ging es nochmals zurück zur Koppel, wo Trevor uns je nach Reitkenntnissen dann den passenden Pferden zuordnete. Jetzt konnte es los gehen, das Abenteuer sollte starten!

Vormittags wurden bei einem mehrstündigen Ausritt die Rinder von einer Weide zur anderen getrieben. Normalerweise grasten bis Mitte September mehrere tausend Kühe auf der Ranch, doch durch die lang anhaltende Hitze (die schlimmste Dürre seit 80 Jahren) musste der Großteil bereits Anfang August verkauft werden. Laut Jael sei das ein unglaublich finanzieller Verlust. 2012 sei demnach das „schwärzeste“ Jahr in der Geschichte der Ranch, meinte sie.

Unsere Aufgabe bestand nun darin, die Handvoll Rinder zu den wenig noch vorhandenen Wasserstellen zu treiben. Sogar der Wind, der uns ins Gesicht wehte, war heiß; die Luft staubig und das Gras über weite Strecken verdorrt.

Vermutlich denken die meisten von euch jetzt, wenn ich „Rinder treiben“ sage, würden wir mit hoher Geschwindigkeit die Hügel runterrasen. So, wie man das eben aus den actionreichen Westernfilmen kennt. Aber die Realität sieht dann doch wieder ganz anders aus. Meist trabten wir gemütlich der Herde hinterher, um sie besser im Auge zu behalten und auf „Ausreißer“ reagieren zu können.

Stunden später – wieder zur Ranch zurückgekehrt, war es an der Zeit, mit lautem Glockenläuten das bevorstehende Mittagessen anzukündigen. Das war meist meine Aufgabe ;). In einfachen Eimern wusch man sich den Staub und Dreck aus Händen und Gesicht. Nun erwartete uns ein typisch amerikanisches Essen mit Burger & Co. Das Gemüse und der Salat stammten aus eigenem Anbau. Wir langten ordentlich zureiten macht schließlich hungrig

Nach dem Essen blieb einem meist ein wenig Zeit für sich selbst. Um diese auch richtig zu nützen, entspannten wir uns in der Hängematte oder ich spielte mit den anderen Kindern.

In den folgenden Tagen waren Hufschmiede auf der Ranch. Über 100 Pferde mussten neu beschlagen werden. Es wurde gehämmert, geschlagen und gefeilt. Zusätzlich wurde den Tieren Medizin gegen Würmer und Darmbakterien verabreicht. Angeblich schmeckte sie nach Äpfeln, was auch erklärte, weshalb die Pferde sie liebten. 😀

Weniger lustig für die Tiere war das Versehen mit dem Brandzeichen der Ranch. Mir taten sie dabei leid, weshalb ich entweder nach draußen verschwand, wenn es soweit war, oder mir die Augen zuhielt.

Abend für Abend fielen wir todmüde ins Bett. Es waren anstrengende Tage. Die reichliche Arbeit auf der Ranch, die brütende Hitze und die vielen Stunden im Sattel waren doch ungewohnt. Mit den kühlen Abendstunden verbanden schließlich alle den angenehmsten Teil des Tages: man saß noch gemeinsam auf der Veranda, trank  Tee oder – wie manch anderer – ein Bier und genoss einfach die Ruhe…

Wie ihr seht, hat das echte Ranchleben mit dem ganzen Hollywood – Klischee wenig zu tun, meist geht es weniger spektakulär zu. Trotzdem war es interessant zu wissen, wie die Realität aussieht, läuft doch unser Alltag zu Hause ganz anders ab. Es war wirklich eine tolle Erfahrung..

Eines hat es aber gezeigt: echte Cowboys gibt es tatsächlich und man kann sie auch heute noch antreffen – auf den vielen Viehranches des amerikanischen Westens…

Seid ihr ebenfalls schon mal auf einer echten Cowboyranch gewesen? Wenn ja, wie ist es euch dort ergangen? Wenn nein, würde euch so etwas auch einmal reizen? Lasst es mich wissen und schreibt es mir gerne in die Kommentare 🙂

– JasminOnTour

Kategorien: Länder

4 Kommentare

Gerry · 24. März 2020 um 14:31

Hi cowgirl! Wieder wirklich toller Beitrag!! LG Gerry

Gabriele · 24. März 2020 um 18:46

Liebe Jasmin!
Ich lese mit Begeisterung Deine Berichte! Mir gefällt die Art, wie Du erzählst und das Ergänzen Deiner Geschichten mit Bildern! Man bekommt fast das Gefühl, als wenn man selbst dabei gewesen wäre! Ich hoffe, noch viele weitere Berichte lesen zu können. Vielleicht kannst Du sie ja auch einmal zu einem Buch zusammenfassen. Ich wäre sofort ein Abnehmer!
Alles Liebe und ein großes Lob!
Gabriele Moik (ein Fan von Dir)

    JasminOnTour · 25. März 2020 um 20:30

    Hallo Gabriele,
    Danke für das Feedback! 😀 Das Ziel meiner Beiträge soll ja auch sein, dass die Leute das Gefühl bekommen, sie hätten das alles miterlebt und wären selbst dort gewesen! In nächster Zeit werden auch mehr Beiträge kommen, die du dann lesen kannst. Das mit dem Buch wird man noch sehen, aber danke! 😉
    Lg
    -JasminOnTour

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